KulturMittwoch – Kultur und Kulturschaffende im Netzwerk

1 Mai

Seit Januar 2010  treffen sich Kulturinteressierte, Künstler und Kulturschaffende live zum KulturMittwoch, einem offenen Wissensnetzwerk zu Kultur und Kulturarbeit

KulturMittwoch ist der neue Kulturstammtisch

Abends ab 21 Uhr findet und verbindet sich in loser Abfolge an besagtem Tag mitten in der Woche ein bunter Personenkreis aus dem gesamten deutschsprachigen Raum via Internet, um miteinander zu kommunizieren, zu chatten oder Videokonferenzen zu veranstalten. Teilnehmen kann grundsätzlich jeder, der am Themenfeld Kultur interessiert ist.
Dabei sein kann man bequem vom eigenen heimischen Standort aus, sei es Wohnzimmer oder Arbeitszimmer oder auch Terrasse und Garten. Wo man sich niederlässt, um an diesem dezentralisierten Kulturstammtisch Platz zu nehmen, ist ebenso frei wie vieles Weitere
s.

Visionen ohne ausgeflippte Schlipsträger und Charts

Obwohl die quasi anarchistisch anmutende Offenheit eher an Kommune als an Managerseminare erinnert, werden beim KulturMittwoch wertvolle intellektuelle und kulturrelevante Gedanken ausgetauscht und Praxiserfahrungen vermittelt.
Die Atmosphäre ist sehr angenehm und ermöglicht den Teilnehmern eine enorme
Flexibilität in Hinsicht auf Partizipation, Themenwahl und Gestaltung.
Dadurch ist noch nicht wirklich festgelegt, wohin sich das Projekt entwickelt, und das ist auch gut so.
Die Ideen, die derzeit in dem von Spontaneität und direkter dynamischer Interaktion geprägten
Ad-Hoc-Verfahren entstehen, haben durchaus auch visionären Charakter.
Ein Ziel im engeren Sinne gibt es nicht. Das macht den KulturMittwoch derzeit sehr weitsichtig.

Unverbindlichkeit – Unkalkulierbare und unglaubliche Chancenquelle

Ganz genau das scheint es zu sein. Es zeichnet sich ganz klar ab, dass das sich in den Treffen offenkundig äußernde Bedürfnis nach sinnvollen kulturellen Vernetzungsmöglichkeiten und die Initiierung eines offenen Fachforums und Wissensnetzwerkes noch weitere Kreise ziehen wird. Dass kein vorgestricktes Schema den Entwicklungsprozess hindert, scheint ein ideal gewählter Einstiegsweg zu sein Dies bedeutet keineswegs ein Abgleiten in Beliebigkeit oder Belanglosigkleit, sondern es ist, als webe sich sogar zunehmend wie von selbst ein roter Faden für das entstehende Netzwerk.

Das KulturMittwoch Blog – Keimzelle und Archiv

Das Blog zum KulturMittwoch archiviert alle Konversationen, sodass auch im Nachhinein die Möglichkeit besteht, die Inhalte nachzuvollziehen.

Das KuMi-Blog findet man unter:

http://kulturmittwoch.wordpress.com/

Bei den Live-Sitzungen ergeben sich interessante Gespräche zum Kulturbetrieb sowie ein vielschichtiger Austausch unterschiedlichen Perspektiven. Dieser kann beispielsweise zwischen Veranstaltern und Künstlerinnen stattfinden, das künstlerisches Selbstbild und Erwartungshorizonte oder auch Haltungen zu Fragen wie Wertschätzung oder Gagen zum Thema haben, konkrete Themen  für alle Seiten des Kulturlebens und Kulturbetriebes anreißen – immer mitten in sowie mitten aus der Kulturlandschaft.
Um eben diese Mitte, aus der die Teilnehmer stammen, geht es in den Gesprächen – neben den direkten Themen, auch auf der Metaebene, die ebenso Bestandteil und Inhalt des KulturMittwochs ist.

Kultureller Mittelstand

[Einschub: Ein Definitionsversuch als Denkanstoß]
Die Terminologie
“Kultureller Mittelstand” ist zweideutig, wenn man einmal genau hinein hört. Einmal könnte man es als den “(Be-)Stand der finanziellen und sonstigen Mittel für Kultur” verstehen, zum anderen meint es, ganz analog zum wirtschaftlichen und unternehmerischen Mittelstand, jene große und in alle denkbaren Richtungen aktive Gruppe von kulturell Tätigen, deren kulturelles Engagement vom Hobby bis zum Hauptberuf reichen kann. (darauf zielt der Begriff hier im Kontext auch eher ab) Durch deren Arbeit wird Kultur angeboten, bekannt gemacht und verbreitet, sie wahren die Existenz von Kleinkunst, Spartenkultur und Subkultur, sie fördern und ermöglichen individuelle künstlerische Konzeptionen, bieten und schaffen Foren für Nachwuchs und Neues ebenso wie für Alternatives und Alternativen.  All das hat seinen Platz in der Kulturszene, ohne all dies gibt es keine neuen Künstler, Konzepte und Projekte. Die Arbeit vieler Beteiligter findet jenseits der Major-Labels und großen Musikindustrie sowie von Medienunternehmen und Massenöffentlichkeit statt. Aber ohne eine solche Szene würde sehr bald auch die große Glamourwelt der Stars nicht mehr existieren, denn sie alle haben die Szene er- und durchlebt, bevor sie sich ganz groß aus ihr hervorgetan haben oder herausgezerrt und auf die Titelseiten und ins MTV-Format gepresst wurden.

Der Bedarf an Vernetzung

Um sich auch im Sinne eines wie eben beschriebenen Kulturmittelstandes und verstärkt auch als Gruppe anstatt als Einzelkämpfer im kulturellen Schaffen und gesellschaftlichen Leben wahrnehmen und identifizieren zu können, bewegt man sich beim KulturMittwoch im Verbund und in mehr als nur einer Stammtischrichtung. Es scheint die Tendenz zu geben, dass sich eine Fachgruppe für kulturellen Wissenstransfer herausbildet. Neben kulturspezifischen Konversationen und dem besagten Stammtischcharakter – im positivsten Sinne – geht es den Initiatoren und weiteren Teilnehmern des Netzwerks nämlich auch um die interaktive Teilnahme und Gestaltung des Diskurses zu Kulturarbeit und Vernetzung insgesamt.

Initiatoren des KulturMittwoch sind @klbkultur (tk), @SALIKUS_Halle (ts), @culturbureau (ek) und @dorotheehahne (dh) – vorerst noch im jeweiligen Twitteraccount anzutreffen.

Vor dem Hintergrund unterschiedlichster Herkunft und heterogener Perspektiven erörtert man mittwochs unter Gleichgesinnten Fragen nach den Nutzungsmöglichkeiten und Perspektiven, aber auch zu Überbewertungen und Kritikpunkten von sozialen Netzwerken und Netzwerkaktivitäten für die Kulturarbeit.
Der Bedarf an Vernetzung ist groß, da sind sich die Beteiligten relativ einig. Sinne und Zwecke der Vernetzung werden dabei sowohl produktiv als auch kritisch behandelt. Bereits nach einigen Treffen ist Beachtliches an Ideen zu verzeichnen.

“Wir sitzen alle in einem Boot und jeder ist und kann zum Glück etwas anderes”, so könnte eine mögliche Sequenz und Tenor des Kulturkompetenzchores lauten.

Ideen von und für KulturMittwoch

Wenn sich das Bedürfnis nach Vernetzung weitergehend konkretisiert und die Dynamik und Anfangsmotivation erhalten bleibt, wird sich das Projekt darauf einstellen und anpassen. Dadurch wird sich bald ein noch deutlicheres Gesicht und Profil des KulturMittwochs abzeichnen. Die Ideen reichen von redaktioneller Aufbereitung von gemeinsam erarbeiteten Kulturthemen auf Blogs oder in Form eines Knigges für die Kultur und Kulturarbeit bis hin zur Entwicklung eines kultursozialen Netzwerkes, was KulturMittwoch ja im Grunde von Anfang an war und ist.

Kulturkompetenz nutzbar machen

Auch die Perspektive,  aus dem Personenkreis des KulturMittwochs ein Kompetenzteam für Kulturarbeit und Kulturnetzwerke erwachsen zu lassen und als solches Beratungsfunktionen aufzunehmen, erscheint nicht ganz abwegig. Es könnte als Anlaufstelle für Anfragen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen agieren, dienen und auftreten. Ob so etwas wie ein Netzwerk für Kulturberatung entsteht, könnte sich durchaus, wie bereits andere Ideen, im Rahmen des KulturMittwochs, von selbst oder On Demand ergeben.

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Besonderer Dank gilt Thomas Kümmel für das professionelle Lektorat und die Textoptimierung dieses Artikels!

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4 Antworten to “KulturMittwoch – Kultur und Kulturschaffende im Netzwerk”

  1. cultureagency 2010/06/01 um 09:52 #

    Dieser Artikel wurde auch erwähnt auf Netzpiloten.de in den Leseempfehlungen zum 31.Mai

    Vielen Dank!

    http://www.netzpiloten.de/2010/06/01/lesetipps-fr-den-31-mai-2/

  2. cultureagency 2010/05/03 um 15:54 #

    Zu diesem Artikel:

    – Ausgangspunkt für mich war, die bisherige Entwicklung zusammenzufassen und einen Bericht in der Art einer Reportage zum KuMi zu schreiben, der auch Personen außerhalb Twitters und KuMis auf das Netzwerk hinweist.

    – Durch Verweis auf die bisher stattgefundenen Sitzungen und Beispiele der Inhalte aus den Konversationen soll ein Einblick in das Konzept und eine Bestandsaufnahme ermöglicht werden.

    – Durch Ausblicke, in welche Richtung das Konzept noch ausbaufähig ist, soll angeregt werden, den KuMi in seiner Funktion und Reichweite noch zu intensivieren.

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  1. Lesetipps für den 31. Mai | Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 - 2010/06/01

    […] KulturMittwoch – Kultur und Kulturschaffende im Netzwerk: Seit Januar 2010 treffen sich Kulturinteressierte, Künstler und Kulturschaffende live zum KulturMittwoch, einem offenen Wissensnetzwerk zu Kultur und Kulturarbeit […]

  2. KulturMittwoch – Zwischenfazit, Ausblick, Vision(en) « KulturMittwoch - 2010/05/06

    […] Den vollständigen Artikel zum Nachlesen findet man unter: https://cultureagency.wordpress.com/2010/05/01/kulturmittwoch-kultur-und-kulturschaffende-im-netzwerk… […]

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